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Familie Birnbaum
Max Birnbaum wird am 18. Mai 1866 in Osterode/Ostpreußen, dem heutigen Ostrada, geboren. Er ist das jüngste von sieben Kindern. Seine Eltern waren Gustav und Eva Birnbaum, geb. Levi.
Max besucht das Realgymnasium in Osterode und beginnt nach der Obersekunda eine Lehre in einem Getreidegeschäft. Seine erste Festanstellung bekommt er in Briesen. Dann geht er zwei Jahre nach Amerika, vermutlich um seine Schwester Amalie zu besuchen. Wir vermuten, dass er wegen der Wehrpflicht zurück nach Deutschland kommt, da er direkt nach seinem Amerikaaufenthalt mit 23 Jahren Soldat wird.
Im Jahre 1891 heiratet er Anna Pincoffs. Zusammen haben sie die drei Kinder Ewald, Helmut und Irmgard. 1902 lässt sich die gesamte Familie in der Kirche St. Pauli in Braunschweig evangelisch taufen. Auch vor der Taufe waren die Birnbaums nach unseren Informationen keine praktizierenden Juden.
Acht Jahre später, 1910, trennen sich Max und Anna. Im Jahr 1938 stirbt Anna Pincoffs nach Informationen der Braunschweiger Judaica in Braunschweig. Mehr Informationen konnten wir über Anna leider nicht herausfinden.
Ewald Birnbaum wird 1891 in Frankfurt/Oder geboren. Er ist das erste Kind von Anna und Max und wird mit der gesamten Familie 1902 evangelisch getauft. Er ist gelernter Kaufmann und verheiratet mit Gertrud Birnbaum, geb. Hoffmann. Gertrud ist nicht jüdischen Glaubens, also leben beide in einer so genannten "Mischehe".
Mit Gertrud zusammen bekommt Ewald eine Tochter namens Ortrud, die am 11. September 1923 geboren wird. Im Mai 1934 erfolgte ein Umzug von Braunschweig nach Hannover in die Straße Am Schatzkamp 8. In den 1930er Jahren ist ein häufiger Wohnungswechsel verzeichnet. Für vier Jahr lebt die Familie offenbar sogar getrennt, zog jedoch im August 1943 wieder in ein Haus.
Die Tatsache, dass Gertrud sich nicht von Ewald scheiden lässt, rettet ihm das Leben und bewahrt ihn vor der Deportation.
1950, nachdem der Krieg vorbei ist, erfolgt dann doch die Trennung und schließlich die Scheidung von Gertrud. Zehn Jahre später ist der Umzug von Tochter Ortrud nach Argestorf am Deister verzeichnet, wo sie ab dem 30.4. 1960 gemeldet ist.
Ein Jahr später verlässt auch Ewald Hannover und zieht am 22. September 1961 nach Lutter am Barenberge, wo er Hinter der Burg 6 wohnt. Noch im selben Jahr lernt er dort seine zweite Frau Ruth kennen, die er am 6. Juli 1962 heiratet. Über sie ist nur bekannt, dass sie am 27. März 1918 geboren wird und 1988 verstarb.
Ewald stirbt am 7. Februar 1974 im Alter von 83 Jahren.
Helmut Birnbaum wird am 15. Juni 1893 geboren. Im Jahr 1934 wandert er nach Kapstadt in Südafrika aus. Leider ist es uns nicht gelungen weitere Informationen über Helmut zu bekommen. Wir haben unter anderem mit einem Historiker in Südafrika Kontakt aufgenommen, doch auch er konnte uns nicht weiterhelfen.
Irmgard Birnbaum wird im Jahre 1910 geboren, doch leider sind uns weder der genaue Monat, noch der Tag ihrer Geburt bekannt. Auch ihre Eltern sind Max und Anna Birnbaum und wie auch der Rest ihrer Familie wurde sie evangelisch getauft. Irmgard heiratet sehr jung, doch wen wissen wir leider nicht genau. Aus dieser Ehe stammen zwei Töchter namens Eva-Marie und Anita. 1931 stirbt Irmgard in Helmstedt, doch nähere Angaben zu ihrem Tod sind uns nicht bekannt.
Noch im Jahr der Scheidung von Anna, 1910, lernt Max Birnbaum die Nicht-Jüdin Katharina Kohtz kennen. Es entwickelt sich eine langjährige Beziehung.
In Braunschweig übt Max Birnbaum seinen erlernten Beruf des Getreidehändlers aus. Den ersten Eintrag über "Birnbaums Getreidekommissionsgesellschaft" finden wir in den Branchenbüchern der Stadt Braunschweigs am 1. Juli 1914. Max Birnbaum ist Geschäftsführer, der Sitz der Firma ist die Friedrich-Wilhelm-Straße 29.
Katharina Kohtz wird als Buchhalterin eingestellt, und da sie Kapital in den Betrieb investierte wurde sie zur Teilhaberin. 1927 zieht die Getreidekommissionsgesellschaft in die Bertramstraße 14 um; hier wohnt Max Birnbaum bis zu seiner Verhaftung. Neun Jahre später, ab 1936, gibt es keinen Eintrag mehr über "Birnbaums Getreidekommissionsgesellschaft" in den Branchenbüchern. Vermutlich muss die Firma aufgrund anti-jüdischer Gesetze Insolvenz anmelden oder zwangsverkauft werden. Unterlagen hierüber lassen sich allerdings nicht finden.
Am 15. Dezember 1936 um 10:15 Uhr wird Max Birnbaum verhaftet. Der Grund war: Verdacht auf Missachtung der "Nürnberger Gesetze", in diesem Fall ist der Anklagepunkt "Rassenschande".
Max´ Lebensgefährtin Katharina Kothz muss gegen ihn aussagen. Sie gibt den verbotenen Geschlechtsverkehr zwischen ihr und Max zu. Aus der Gefängnisakte konnten wir jedoch entnehmen, dass ihr dies nicht leicht fiel: "Die Zeugin machte den Eindruck, den Angeklagten nur ungern belasten zu wollen."
Nach einem kurzen Prozess wird Max Birnbaum zu zehn Monaten Zuchthaus und zur Übernahme der Kosten des Verfahrens verurteilt. Seine Haftstrafe beginnt am 24. März 1939, zu diesem Zeitpunkt ist Max bereits 73 Jahre alt. Aufgrund von zahlreichen gesundheitlichen Problemen wird er als "nicht arbeitsfähig" beurteilt.
Entlassen am 24. November 1939 um 10:10, verstirbt Max Birnbaum am 15. Dezember 1939 in Braunschweig, vermutlich infolge der Haftbedingungen. Trotz intensiver Nachforschungen ist es uns leider nicht gelungen Max Birnbaums Grab ausfindig zu machen.
Recherche: Schülerinnen und Schüler der IGS Franzsches Feld
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