Hamburger

Felix Hamburger wird am 31.3. 1896 als neuntes Kind von Meier Richard Hamburger in Hammelburg/ Unterfranken geboren. Er kommt als Schüler zu einem Verwandten nach Kissingen und besucht dort das Gymnasium. Sein Onkel Simon plant, dass er die Firma „Schröder & Co“ in Braunschweig einmal übernehmen soll. In Solingen erlernt er deshalb nach seinem Schulbesuch 1913 den Beruf des Einzelhandelskaufmanns. Nach der Lehre meldet er sich freiwillig zum Militär. Er ist Soldat im ersten Weltkrieg.

Seit dem 20.8. 1919 wohnt er bei seinem Onkel Simon in Braunschweig in der Leonhardstraße 1. Mit seiner Ehefrau Luise zieht er am 8.8. 1927 in die Wohnung Wendentor 4.

Im November stirbt Simon Hamburger. Seit 1925 ist Felix Geschäftspartner seines Onkels. Nach dessen Tod wird er 1929 der alleinige Inhaber der Firma „Schröder & Co“. Trotz der Auswirkungen der Weltwirtschaftskrise läuft das Geschäft recht gut. Die entscheidende Wende bringt das Jahr 1933. Nach dem Warenhaussturm auf jüdische Geschäftshäuser findet am 1.4. 1933 der sogenannte Aprilboykott statt. Dazu gehören: Telefonterror, Drohbriefe, Einschüchterung von Lieferanten, Kontrollen und SA-Posten vor den Geschäften. Felix Hamburger wird auf Schritt und Tritt verfolgt. Ab und zu verlässt er deswegen Braunschweig. Als die Firma vor dem Bankrott steht, entschließt sich Felix Hamburger „Schröder & C“ zu verkaufen. Nach dem Verkauf zieht die Familie nach Hamburg.

Während der Progromnacht wird Felix Hamburger in das KZ Sachsenhausen bei Berlin gebracht, dort wird er nach Erinnerung der Kinder ca 4 Wochen festgehalten. Anfang Dezember kommt er in sehr mitgenommenen Zustand mit abrasierten Haaren wieder frei. Dennoch will er nicht auswandern.

Ein gutes halbes Jahr später, am 29.7. 1939 entschließen sie sich doch in die USA zu emigrieren. Felix arbeitet dort als Kaufmann in der Textilbranche. Er fährt einmal jährlich nach Deutschland – seine Frau kommt nie mit.

Während eines Aufenthaltes erleidet er einen Herzinfarkt. Am 23.3. 1963 stirbt er in Florida.

Luise Hamburger geb. Lehmann wird am 10.10. 1903 in Mannheim geboren. Am 6.7. 1927 heiraten Luise und Felix Hamburger. 1928 wird der Sohn Martin geboren, 1931 die Tochter Edith. Luise, die Klavierspiel und Komponieren gelernt hat, gibt Klavierstunden.

Am 3.8. 1973 stirbt Luise Hamburger in Pittsburgh.

Martin Hamburger wird am 24.6. 1928 geboren. Er bemerkt schon im Kindergarten die antisemitische Stimmung – rückblickend erzählt er. Oft haben sie Angst. Als die Eltern umgezogen sind nach Hamburg besucht er dort eine jüdische Privatschule. Dort lernt er auch Englisch.

Am 29.6. 1939 wandern sie über Holland und Großbritanien aus in die USA. Direkt 2 Tage nach der Ankunft werden die Kinder dort wieder eingeschult. Er studiert Jura in Yale, wird Rechtsanwalt und lebt heute noch in Pittsburgh. Mit 40 Jahren heiratet er eine Dänin, hat mit ihr zwei Söhne. Auch nach ihrer Scheidung in späteren Jahren halten sie einen guten Kontakt.

Zu dieser Zeit des Briefwechsels ist er 82 Jahre alt.

Edith Blattner, geb. Hamburger wird am 10.4. 1931 in Braunschweig geboren. Sie erinnert sich nicht gerne an ihre Kinderzeit dort. Nach der Emigration in die USA leben sie erst bei Verwandten, später in ihrem eigenen Haus.

Ihren Mann Walter Blattner, der in New York lebt, lernt sie in Pittsburgh kennen. Er stammt aus Schwanfeld, in der Nähe von Hammelburg, aus der Stadt, aus der auch ihr Vazter stammte.

Auch er geht 1939 mit seinen Eltern ins Exil. Sie heiraten 1950, ihr Sohn Jeff wird 1954 geboren Heute arbeitet Jeff als Anwalt in Washington D.C. Edith und ihr Mann leiten zusammen eine Firma für Damenbekleidung.

1962 reist das Ehepaar erstmals nach Deutschland. Als ihr Ehemann schwer erkrankt verkaufen sie ihr Geschäft.

Seit 1989 ist Edith Witwe und lebt in der Nähe ihres Bruders Martin.

Recherche: Schüler und Schülerinnen der Realschule Maschstraße – 2011 – Vanessa Diestelmann, Rene Moye, Dean Eckert -10 c Anja Heinze, Vanessa Maschke – 10b