Scheyer

Paul und Paula Scheyer

Paul Scheyer entstammt einer Braunschweiger Konservenfabrikantenfamilie. Er wur-de am 10. Mai 1886 in Braunschweig als Ältester von 3 Geschwistern geboren.

 Sein Bruder Erich wurde am 26.7.1887, seine Schwester Emilie-Esther am 15. April 1889 geboren.

Emilie-Esther wanderte 1924 in die USA aus, nannte sich Galka Scheyer und wurde als Kunstsammlerin und Mäzenin (Die Blaue Vier) in den USA berühmt.

Paul heiratete in Braunschweig die am 23.3.1893 in Berlin geborene Paula Eisenstein.

Ihre beiden Söhne Leopold und Gerhard wurden am 28.10.1918 und 2.3.1920 in Braunschweig geboren. Für die nun vierköpfige Familie kaufte Paul 1923 das Grundstück Petritorwall 30, wo die Familie seitdem wohnte.

Gemeinsam mit seinem Bruder Erich übernahm Paul 1909 nach dem Tod des Vaters die Konservenfabrik Maseberg, damals die größte der 35 Konservenfabriken Braunschweigs, und verlegte sie von der Wiesenstr. 1 in die Goslarsche Str. 61. Die Weltwirtschaftskrise führte zum wirtschaftlichen Niedergang.

Hinzu kamen die Repressionen der Nationalsozialisten gegen jüdische Unternehmer. Am 30.6.1938 sahen sich die Brüder Scheyer gezwungen, an die Konservenfabrik Meinecke zu verkaufen. Im gleichen Jahr versuchten Paul und Paula Scheyer auch, ihr Grundstück am Petritorwall 30 zu verkaufen, jedoch ohne Erfolg.

Paul wurde am 10. November 1938 (nach der Reichspogromnacht) in das KZ Buchenwald deportiert und kam mit der Auflage frei, Deutschland umgehend zu verlas-sen.

Paul und Paula flohen 1939, ohne ihre Söhne, in die USA (Galka Scheyer konn-te ihnen dabei helfen). Haus und Grundstück am Petritorwall 30 wurden „arisiert“, das Geld kam auf ein Sperrkonto, das für die Scheyers nicht zugänglich war.

Nach dem Krieg beantragten die Scheyers eine Rückübertragung von Haus und Grundstück, die 1950 auch vollzogen wurde.

Paul Scheyer starb in den USA am 1.2.1956 in New York, seine Frau Paula überlebte in mehr als zwei Jahrzehnte und starb im Januar 1977, ebenfalls in New York.

Leopold Scheyer wurde am 28.10.1918 als erstes Kind von Paula und Paul Scheyer in Braunschweig geboren. Er besuchte die Grundschule „Versuchsschule Reichstraße“. Diese Schule war eine Reformschule, die in der Nähe der Pädagogischen Akademie Braunschweig (Ausbil-dungsstätte für Volksschullehrerinnen und -lehrer) entstanden war. Von 1929 bis 1935 besuchte Leopold das Gymnasium Gaußschule, das er dann aufgrund der Ausgrenzung jüdischer Schüler aus dem öffentlichen Schulsystem frühzeitig verlassen musste. Am 10. November 1938 wurde er zusammen mit seinem Vater Paul und seinem Bruder Ger-hard in das Konzentrationslager Buchenwald deportiert und später mit der Auflage entlassen, Deutschland umgehend zu verlassen. Während den Eltern 1939 die Flucht in die USA ge-lang, konnte Leopold zusammen mit seinem Bruder zunächst nach England fliehen. Spätes-ten 1946 (das genaue Datum konnte nicht ermittelt werden) wanderte er ebenfalls in die USA aus.

Leopold Scheyer starb am 31.10.2002 in Hamden, USA.

Gerhard Scheyer wurde am 2.3.1920 als zweiter Sohn von Paula und Paul Scheyer in Braunschweig geboren. Er besuchte, wie sein Bruder Leopold, die Grundschule „Versuchsschule Reichstraße“. Die-se Schule war eine Reformschule, die in der Nähe der Pädagogischen Akademie Braun-schweig (Ausbildungsstätte für Volksschullehrerinnen und -lehrer) entstanden war. Ab 1930 wechselte Gerhard – ebenfalls wie sein Bruder Leopold – auf das Gymnasium Gaußschule, das er dann aufgrund der Ausgrenzung jüdischer Schüler aus dem öffentlichen Schulsystem 1934 frühzeitig verlassen musste. Am 10. November 1938 wurde er zusammen mit seinem Vater Paul und seinem Bruder Leopold in das Konzentrationslager Buchenwald deportiert und später mit der Auflage entlassen, Deutschland umgehend zu verlassen. Während den Eltern 1939 die Flucht in die USA ge-lang, konnte Gerhard zusammen mit seinem Bruder zunächst nach England fliehen. Spätes-ten 1946 (das genaue Datum konnte nicht ermittelt werden) wanderte er ebenfalls in die USA aus.

Gerhard Scheyer starb am 29.6.1989 in Ellsworth, USA.

Recherche: Gaußschule Braunschweig 12.Klasse:

Knut Hühne, Lena Pfeiffer, Aaltje Mazur – 2012