Meyersfeld, Berthold, Cécile, Annette, Herbert und Alix ‚Lixi‘

Familie Meyersfeld

Die Geschichte der Familie Meyersfeld lässt sich bis ins 18. Jahrhundert
nach Einbeck zurückverfolgen, mit jüdischen Vorfahren, die im Handel und Finanzwesen tätig waren.

Berthold Meyersfeld

Berthold Meyersfeld geboren am 18.4.1875, war das zweite Kind des Bankiers Bernhard Meyersfeld, der am14.8.1841 geboren wurde und seiner Frau Adele, geboren am 21.4.1854. Er hatte noch einen jüngeren Bruder, Paul, geb. 1876.
1877 erwarb die Familie das repräsentative Gebäude am Friedrich-Wilhelm-Platz 3, das bis zum Konkurs 1931 Sitz des Bankhauses blieb.
Berthold wuchs in einem gesicherten, behüteten Umfeld auf. Er war ein sehr künstlerisch veranlagter Mensch, trug fast immer ein Skizzenbuch bei sich, in dem er Karikaturen von Menschen zeichnete. Er besuchte, gemeinsam mit Richard Borek I, die Oberrealschule „Hintern Brüdern“ und trat später in das Bankhaus seines Vaters ein.

Der Vater, Bernhard, starb am 2. Oktober 1920 in Braunschweig.
Sein Tod markierte das Ende einer Epoche, in der das Bankhaus Meyersfeld wirtschaftliche Stabilität, soziales Engagement und gesellschaftliche Anerkennung miteinander verband.

1908 heiratete er in Paris Cécile Rau. Eine weltoffene gebildete Frau.
Gemeinsam zogen sie 1908 nach Braunschweig und erwarben ein großes Haus in der damaligen Kaiser-Wilhelm-Straße, der heutigen Jasperallee.
Sie hatten drei Kinder: Annette (1909), Herbert (1911) und Alix Miriam 1920, genannt Lixi. Im Jahr 1914 wurde Berthold eingezogen.
Berthold war in der jüdischen Gemeinde engagiert, von 1926 bis 1932 fungierte er als Vorsteher der jüdischen Gemeinde.
Sie lebten später in einer Villa am Sandweg 3, heute Magnitorwall 3.

Mit dem Erstarken des Nationalsozialismus verschlechterte sich die Lage dramatisch. Die jüdischen Banken wurden systematisch wirtschaftlich isoliert und schließlich zur Aufgabe gezwungen.
Für die Familie Meyersfeld bedeutete dies den finanziellen Ruin.
1931 ging das Bankhaus in Konkurs. Die Familie zog um in das Gebäude des ehemaligen Bankhauses am Friedrich-Wilhelm-Platz 3.

Berthold Meyersfeld starb am 26. April 1934 in Braunschweig,
nur wenige Jahre nach dem Konkurs und bereits im nationalsozialistischen Deutschland.

Cécile-Berche Meyersfeld, geb. Rau

Cécile-Berche Meyersfeld, geb. Rau, geboren am 21.2. 1879 in Paris wuchs in einem französisch-jüdischen Milieu auf, das von Bildung, Weltoffenheit und kultureller Lebendigkeit geprägt war. 1908 heiratete sie in Paris Berthold Meyersfeld und zog mit ihm nach Braunschweig.
Cécile sprach gut Deutsch, schloss schnell Freundschaften und war im gesellschaftlichen Lebens Braunschweig sehr anerkannt.
Nach dem Konkurs des Bankhauses 1931 eröffnete Cécile im ehemaligen Bankgebäude das zunächst beliebte und gut gehende Wiener Café.

Nach dem 31.1.1933 wurde das Wiener Café angefeindet und beschädigt.
Cécile weigerte sich im April 1933, die Hakenkreuzfahne zu hissen. Sie wurde vom Geschäftsführer ihres Cafés denunziert und umgehend in sogenannte ‚Schutzhaft‘ genommen.
Bis Juni 1933 war sie im Gefängnis Rennelberg inhaftiert.

Nach dem Tod ihres Ehemannes floh Cécile 1934 zunächst nach Berlin, wo sie versuchte, die französische Staatsbürgerschaft wiederzubekommen.
Nach dem ihr das 1937 endlich gelungen war, emigrierte sie zusammen mit ihrer jüngsten Tochter Alix nach Paris. Nach dem deutschen Einmarsch 1940 begann eine erneute Flucht: über Südfrankreich, Grasse und Nizza, schließlich unter dramatischen Umständen über die Pyrenäen nach Spanien.
Erst Ende 1942 gelang mit Hilfe diplomatischer Unterstützung die Ausreise nach Portugal und von dort die Weiterreise nach Südafrika.

Cécile ließ sich in Parktown North nieder, baute sich einen neuen Freundeskreis auf und bewahrte sich bis ins hohe Alter ihre Lebensfreude und  Energie.
Cécile-Berche Meyersfeld starb am 7. September 1965  im Alter von 87 Jahren
in Johannesburg.

Annette Meyersfeld

Annette Meyersfeld, geboren am 25.3. 1909 wuchs gemeinsam mit ihrem zwei Jahre jüngeren Bruder und ihrer deutlich jüngeren Schwester in einem großbürgerlichen Haushalt in Braunschweig auf.
Nach Haftentlassung der Mutter (siehe unter: Cécile-Berche Meyersfeld)
zog sie gemeinsam mit Mutter und Schwester nach Berlin. An der Reinhardt-Theaterschule begann Annette eine Ausbildung zur Schauspielerin.
Als Jüdin musste sie die Schule jedoch bald verlassen.
In Berlin lernte sie auch den Balletttänzer Hans Alexander Frank kennen, genannt Alecco.. Beide waren homosexuell und lebten in einer Gesellschaft, in der sowohl jüdische als auch homosexuelle Menschen systematisch verfolgt wurden. Ihre nach außen bestehende Partnerschaft bot für die beiden einen gewissen Schutz. Gemeinsam flohen sie 1934 nach Paris und von dort weiter nach Südafrika.
1937 heiratete sie Hans Alexander Frank und gründete mit ihm in Johannesburg ein Modeatelier und später ein Restaurant.

Herbert Meyersfeld

Herbert Meyersfeld, geboren am 21.1.1911, war das mittlere von drei Kindern. Er wuchs gemeinsam mit seiner älteren Schwester Annette (geb. 1909) und seiner jüngeren Schwester Lixi  (geb. 1920) in einem begüterten, bürgerlich geprägten Umfeld auf.
In der Zeit des ersten Weltkriegs machte er erste Erfahrungen mit Entbehrung und sozialer Unsicherheit.
Seine Schulzeit verlief zunächst unauffällig, wurde jedoch zunehmend von Ausgrenzung überschattet. Als einziger jüdischer Schüler unter mehreren Hundert Mitschülern war Herbert Meyersfeld wachsendem Antisemitismus ausgesetzt. Schmierereien, abfällige Bemerkungen und schließlich auch offen antisemitische Äußerungen von Lehrkräften prägten den Schulalltag.
Nach dem Abschluss der Grundschule im Alter von zehn Jahren besuchte
er das Gymnasium Gaußschule. Dort lernte er Richard Borek kennen, der zu einem lebenslangen Freund wurde. Herberts Vater und Großvater standen über viele Jahre hinweg in guter geschäftlicher Verbindung mit Familie Borek.

Nach dem Abitur begann Herbert Meyersfeld ein Studium der Betriebswirtschaftslehre in Berlin. Doch auch hier verschlechterten sich die Bedingungen rapide. Die nationalsozialistische Einflussnahme an den Universitäten nahm zu, jüdische Professoren wurden an der Lehre gehindert, jüdische Studierende wurden ausgegrenzt. Berthold musste die Universität verlassen, ging zurück nach Braunschweig und arbeitete noch für eine kurze Zeit in einer jüdischen Bank in Hannover. Besonders prägend war die Erfahrung, dass selbst frühere Bekannte aus Angst jede Nähe mieden. Er entging nur knapp einem tödlichen Überfall auf jüdische
Freunde. Diese Ereignisse machten deutlich, dass ein Verbleib in Deutschland nicht mehr möglich war.
Im Jahr 1933 erreichte die Verfolgung seine Familie unmittelbar:
Seine Mutter wurde ohne Gerichtsverfahren inhaftiert und über Monate festgehalten. 1933 floh er nach Paris. Er erlebte prekäre Lebensumstände, sowie den Suicidversuch eines engsten Freundes.
1934 erhielt er beim Unternehmen eines Cousins, der in London lebte, eine Anstellung und arbeitete bis 1936 für die britische Firma des Cousins in Madagaskar. 1936. Nach dem Konkurs der britischen Firma, ging auch Herbert nach Südafrika. 1939 heiratete er Betty Leftin.
Sie bekamen drei Kinder: Michael (*1940), Clifford (*1943) und Susan (*1948).
Herbert arbeitete nach dem Tod des Schwiegervaters und Schwagers als Direktor und Geschäftsführer des Stahlhandelsunternehmens.
Der Gesundheitszustand seiner Frau Betty verschlechterte sich über Jahre,
1977 starb Betty.
Audrey, die zu einer wichtigen Begleiterin wurde, unterstützte und pflegte  ihn während der fortschreitenden Krankheit seiner Schwester.
1980 starb Lixi.
Herbert Meyersfeld starb am 25.8.2006 in Kapstadt.

 

Alix (Lixi) Meyersfeld

Alix (Lixi) Meyersfeld, wurde am 20. März 1920 als jüngste Schwester von Herbert und Annette Meyersfeld geboren. Ihre Kindheit verbrachte sie in Braunschweig in einem großbürgerlichen Haushalt, der von materieller Sicherheit und festen familiären Strukturen geprägt war.

Nach zunehmenden antisemitischen Anfeindungen der Familie Meyersfeld und dem Tod des Vaters 1934 kam es zu einem ungewollten Umzug nach Berlin. Dort wurde Lixi im Alter
von 14 Jahren aufgrund ihrer jüdischen Herkunft von der Schule verwiesen.
Trotz dieses frühen Ausschlusses aus dem regulären Bildungssystem gelang es ihr später,
dank ihres ausgeprägten künstlerischen Talents ein eigenständiges und produktives
Leben zu führen.
1937 erlangte ihre Mutter die französischen Staatsangehörigkeit zurück.
Damit wurde es möglich für Lixi gemeinsam mit ihr, nach Frankreich zu emigrieren.
Mit dem deutschen Überfall auf Frankreich 1940 verschärfte
sich ihre Lage erneut. Als deutsche Truppen auf Paris vorrückten, flohen Lixi, ihre Mutter sowie weitere Familienangehörige zunächst nach Grasse und später nach Nizza.
Der Besitz, den sie zurücklassen mussten, ging endgültig verloren.

Nur wenige Tage vor dem Einmarsch der deutschen Truppen in den Süden Frankreichs, gelang es ihnen, eine Einreisegenehmigung für Südafrika zu bekommen. Über Spanien nach Portugal hatten sie einen langen gefahrvollen Fussmarsch durch die Pyrenäen vor sich, der sie über die Internierung in verschiedenen Gefängnissen, letztlich in die südafrikanische Botschaft in Lissabon führte.
Am 4. Januar 1943 trafen sie in Lourenço Marques, Südafrika, ein und reisten anschließend weiter nach Johannesburg, wo es zu einer emotionalen Wiedervereinigung mit den Geschwistern kam.
In Südafrika konnte Lixi schließlich zur Ruhe kommen. Sie besuchte eine Kunstschule und entwickelte ihr zeichnerische Talent weiter. Viele Jahre arbeitete sie als Karikaturistin für die Zeitung The Star und machte sich darüber hinaus als Porträtzeichnerin einen Namen.

Lixi Meyersfeld heiratete Lawrence Darvall und gründete eine Familie.
Sie bekamen zwei Kinder, Francis und Caroline.

1946 war es Richard Borek über eine Bekannte gelungen, Herberts Adresse in Südafrika ausfindig zum machen. Seit dem besuchte Herbert Meyersfeld Richard Borek regelmäßig in Braunschweig. Diese Freundschaft setzt sich in der engen Verbindung der Söhne Michael und Richard Borek III. bis heute fort.

Recherche : 2025-26,  Kollegiaten und Kollegiatinnen des Braunschweig-Kollegs.
in Begleitung Ihrer Lehrerin Karin Cukrowski
Zugrunde lag eine Bitte von Richard Borek, einem engen Freund von  Michael Meyersfeld,
dem Enkel von Berthold.