Nachrod, Lina

Lina Alexandria Antonie Nachod

Lina wurde am 14. Dezember 1872 in Leipzig in der Lessingstraße 22 geboren. Ihr Vater war Moritz Nachod, ihm gehörte seit 1848 mit Christian Gottfried Reißig zusammen das englische Manufakturwaren- und Commissionsgeschäft. Linas Mutter war Caroline Friedeberg. Ihre Geschwister waren Bertha, Adolf und Oskar.
Ihre Mutter starb bereits am bereits am 13. Dezember 1873.   Lina war gerade ein Jahr.
Trotzdem verlief ihre Kindheit sehr harmonisch, auch scheint sie eine gute Bildung erhalten zu haben.
Am 29. Oktober 1889 stirbt ihr Vater Moritz.

Lina muss aus dem großen Haus der Lessingstraße ausziehen.
Sie ist wahrscheinlich zu Oskar in seine Wohnung in die Moschelestraße 13 gezogen.
Mit 24 Jahren steht Lina dann mit eigener Wohnung in der Liviastraße 5 und später in der Funkenstraße16 im Adressbuch. In dieser Zeit ist Lina zum evangelischen Glauben übergetreten. Sie bleibt ledig und hat keine KInder.
Belegt ist, dass sie ein Kind adoptieren wollte.
Am 24. Juni 1919 wird Lina Adoptivmutter.
Sie nimmt die am 3. Januar 1917 geborene Gertrud Elfriede Nowak, als Adoptivtochter an. Gertrud wurde als uneheliches Kind einer Arbeiterin geboren.
Sie trägt seitdem den Namen Gertrud Nachod.
Lina beabsichtigte Gertrud eine unbeschwerte Kindheit bieten,und sie gut ausbilden zu lassen.

1931 zieht Lina dann mit ihrer Tochter zu ihrem Bruder Oskar nach Dresden in die Villa in der Arndtstraße 2. Sie wohnt in der Mansarde, wo es neben den zwei Schlafzimmern, ein Ess- und ein Wohnzimmer gibt, mit Flügel und vielen Büchern.
Oskar stirbt 1933.  Auch Linas Schwägerin Anna 1938.
Nun wohnt nur noch Lina mit ihrer Tochter dort.
Längst haben die Einschränkungen und Demütigungen durch die Nazis begonnen, was sich auf ihr Leben auswirkt.
Gertrud heiratet am 12. April 1938 Gerhard Natzschka.
Es ist bereits ein Kind unterwegs und das Ehepaar zieht nach Braunschweig in die Schuntersiedlung.  Nun ist Lina allein in Dresden.

In der Reichspogromnacht im November 1938 wird Linas Wohnung zerstört, geplündert und sie selber abtransportiert. Ihre Tochter, welche zu dieser Zeit wegen der Geburt ihrer Tochter bereits im Krankenhaus in Braunschweig liegt, kann Lina nicht helfen.
Erst im Januar 1939 findet Gertrud ihre Mutter und kann sie nach Braunschweig holen.
Dort lebt sie dann mit ihrer Tochter, dem Schwiegersohn und der Enkeltochter in der Schuntersiedlung. Sicher die letzte erträgliche Zeit für Lina.

Anfang 1940 muss Lina ins „Judenhaus“ in die Ferdinandstraße ziehen und kurze Zeit später ist ihre Adresse das „Judenhaus“ im Meinhardshof.
Auch dort besucht sie ihre Tochter Gertrud noch.

Am 17. März 1943 wird sie nach Berlin und weiter nach Theresienstadt deportiert.
Lina gilt als nicht arbeitsfähig und wird in die Hohenelber Kaserne, welche als Hauptkrankenhaus dient, eingewiesen. In einem großen Schlafsaal mit kellerartigen Gewölben erhält Lina ein Bett in der „Irrenabteilung“. Das hält sie nicht lange aus.Am 22. Juni 1943 stirbt

Lina Nachod.
Als Todesursache werden Herzmuskelentartung und angeborene Geistesschwäche bescheinigt.

 

Von 1947 bis 1959 hat Tochter Gertrud um die Wiedergutmachung gekämpft, schließlich gibt es das Testament von Lina, in welchem  Gertrud als Alleinerbin eingesetzt war.
1962 wird ein Vergleich geschlossen.
9000 DM erhält Gertrud als Wiedergutmachung von den 80 Tausend DM des Bankguthabens, den zusätzlichen Aktien, Wertpapieren, der teuren Wohnungseinrichtung und dem Schaden an Leib und Leben.

In Dresden liegt  ein Stolperstein für Lina Nachrod.
Nun auch in Braunschweig.
Hier lebte sie die letzte ‚gute‘ Zeit ihres Lebens in der Familie ihrer Tochter.
Dann wurde sie abtransportiert.

RECHERCHE: 2025-2026 Urgroßnichte Dorothee Jünemann