Familie Fischbein

 

Benjamin Fischbein  wurde am 22 Juli 1883 in Grajewo/Lomza/ Russland geboren.
Er war Kaufmann von Beruf und lebte mit seiner Frau Cäcilie in Braunschweig
am Wilhelmitorwall 11.
Er wurde am 28.10.1938 nach Polen in das Lager Neu- Bentschen abgeschoben.
Nach der Besetzung Polens wurde er ins Warschauer Ghetto deportiert und dort, oder bei einem Weitertransport ermordet.

Recherche: 2018/2019 – Schülerin der IGS Querum – Nora Acheampong

 

Cäcilie Fischbein, geborene Silberstein wurde am 03.November 1891 in Szczuczyn/Polen   geboren.  Sie heiratete den Kaufmann Benjamin Fischbein und lebte mit ihm in Braunschweig am Wilhelmitorwall 11.
Am 28.Oktober 1938 wurde sie nach Bentschen in Polen abgeschoben.
Nach der Besetzung Polens wurde sie ins Warschauer Ghetto deportiert und dort,
oder bei einem Weitertransport ermordet.

Recherche: 2018/2019 – Schülerin der IGS Querum – Nora Acheampong

 

Minna Fischbein

Minna wurde 1914 in Grajewo Polen als Tochter von Benjamin und Cäcilie Fischbein geboren. Ihre Kindheit verbrachte sie von 1916 bis zum 28.10.1938 in Braunschweig.
Sie ereilte das selbst Schicksal wie ihre Eltern.

Recherche: 2018/2019 – Schüler der IGS Querum – Adrian Winter

 

Cäcilie Fischbein  wurde 1916 als Tochter von Benjamin und Cäcilie Fischbein
in Braunschweig geboren. Ihre Kindheit verbrachte sie von 1916 bis zum 28.10.1938 ebendort.
Sie  überlebte den Holocaust und konnte vom DP-Camp Wasseralfing am 14. Juni 1949 nach Israel emigrieren.

Recherche: 2018/2019 – Schüler der IGS Querum – Adrian Winter

 

Hermann (Chaim) wurde 1917 als Sohn von Benjamin und Cäcilie Fischbein in Braunschweig geboren. Seine Kindheit verbrachte er von 1917 bis zum 28.10.1938 ebendort.
Nach der Abschiebung nach Polen konnte er nach Russland flüchten, wo er sechs Jahre lang als Zwangsarbeiter arbeiten musste.
Nach Ende des Krieges heiratete er 1946 in Niederschlesien.
Seine Frau und er bekamen bis 1950 drei Kinder.  Um 1950 wanderte er nach Israel aus.

Recherche: 2018/2019 – Schüler der IGS Querum – Adrian Winter

Die Recherche begleitete: Andreas Schönhöft – Lehrer an der IGS Quer

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Ergänzungen aus weiteren Quellen zu Familie Fischbein
von Herrn Ehrhardt, Gedenkstätte Schillstraße KZ Außenlager – Mai 2019

„Es könnte so gewesen sein“  :
Mit Beginn der Wirtschaftskrise ab 1928 wurde die Situation auf dem Land und damit der Pferdehandel schwieriger, wie das Beispiel des Geschäfts von Benjamin Fischbein zeigt. Er verzeichnete erhebliche Ausfälle und Verluste beim Eintreiben gewährter Kredite, so dass eigenes Vermögen und die Mitgift der Ehefrau erheblich angegriffen waren. Eine Hypothek auf ihr Wohnhaus wurde gekündigt, das Haus bald zwangsversteigert. 1928 wurde Fischbein wegen Wechselbetrugs angezeigt und zu drei Monaten Strafe verurteilt. Er hatte in mehrere Blankowechsel überhöhte Beträge eingetragen, lautete die Anklage. Über das Verfahren berichtete die Presse.
(Braunschweigische Landeszeitung 19.9.1928, S. 12 „Ausgenutzte Gutmütigkeit“ ).

Mitte 1929 wurde er wegen eines weiteren Betrugs in zwei Fällen zu einer Geldstrafe verurteilt, im April 1930 erneut zu sechs Wochen Gefängnis.
Fischbein wehrte sich, erwiderte eine Beschuldigung mit einer Anzeige wegen Meineids und versuchte die Revision der Urteile zu erreichen. Ohne Erfolg.
Ende 1928 wurde ihm die Gewerbegenehmigung entzogen. Ein Einspruch blieb erfolglos.
Am schwersten traf die fünfköpfige Familie Fischbein, die die polnische Staatsangehörigkeit hatte, ein Ausweisungsbeschluss des Polizeipräsidiums zum 5.7.1930 als Folge der Gerichtsurteile. Fischbein nannte 13 Leumundszeugen, Landwirte und Gutbesitzer, die bestätigen könnten, dass sein Geschäftsgebahren stets musterhaft gewesen sei.

Das Polnische Generalkonsulat in Berlin sprach sich für ein Entgegenkommen aus, weil Fischbein schon 26 Jahre in Deutschland sei. Benjamin Fischbein verwies auf die Folgen für seine Familie. Die drei Kinder besuchten erfolgreich mittlere und höhere Schulen.
Die Ausbildung müsse abgebrochen werden. Die Polizeibehörden sahen ihn aber als „Schädling“, der Geschädigte sogar verleumdet habe.

Das bereits nationalsozialistisch geführte Innenministerium entschied sich Ende 1930 für ein Wirksamwerden der Ausweisung.

Offenbar konnten Ehefrau und Kinder aber vorerst noch in Braunschweig bleiben und folgten erst Anfang 1932 nach Polen. Nur der Sohn Hermann Fischbein blieb in Braunschweig bei seiner Tante Chaja Abelsky, um eine Goldschmiedelehre abzuschließen, die er aber bald abbrechen musste. Er erinnert sich noch an die Reichstagswahl 1933 – dann folgte er auch nach Polen.

Aus der Entschädigungsakte geht hervor, dass Chaim/Hermann Fischbein zuletzt eine Nachricht von seiner Familie aus dem Getto Warschau erhielt.
Dass seine Angehörigen ums Leben kamen ist glaubwürdig.
Das Gedenkbuch des Bundesarchivs notiert zum Ort „unbekannt“.

Die Quellen: StadtA Braunschweig D II 5:59 (Gewerbesteuer); NLA Wolfenbüttel 12 Neu 13 13434 (Ausweisungen). NLA Hannover 110 W Acc. 14/99 Nr. 129148 (Entschädigung Hermann Fischbein).

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