Jelinowitz

 

Abraham Jelinowitz    wurde am 29.06.1887 geboren in Pabianice, Kr. Lask/Piotrkow/ Russland.
Er war vor dem ersten Weltkrieg aus Polen nach Deutschland ausgewandert.

1917 aus einem deutschen Gefangenenlager entlassen, ließ er sich in Braunschweig nieder.
Vorher wohnte er mit seiner Frau und seiner Tochter in Mannheim.
Er betrieb ein mittelgroßes, zunächst gutgehendes Geschäft für Damen- und Herrenkonfektion in der Friesenstraße 4.
Sie wohnten über dem Geschäft im selben Haus.
Er war ein aufrechter und liebenswerter Mann, der sehr um die Familie besorgt war.
Die Ehe war harmonisch und ungestört.
Während des Boykotts 1933 war das Geschäft nicht demoliert worden, jedoch musste es geschlossen werden, da niemand mehr bei ihnen einkaufen wollte.
Abraham war damals noch sehr optimistisch und hatte angenommen, dass die Regierung sich nicht lange halten könne.
Doch die Drangsalierungen und Demütigungen hielten an.
Er bat einen Bruder in New York  für seine Söhne ein Affidavit zu schicken. Dieser folgte der Bitte. Das Amerikanische Konsulat kontaktierte die Familie und meldete ihnen, dass sie auf die Warteliste gesetzt worden seien.

Am 28.10.1938 kam die gesamte Familie in die Justizvollzugsanstalt Wolfenbüttel und wurde von der SS nach Polen in das Lager Neu-Bentschen (Zbaszyn) abgeschoben. (bis 1939)

Nach der Besetzung Polens wurde er 1940 in das Ghetto Litzmannstadt (Lodz) eingeliefert und von dort in das KZ Auschwitz depotiert.
Am 8.5.1945  wurde er für  tot erklärt.


Chawa Jelinowitz
, geb. Steinhardt,  ist die Ehefrau von Abraham.
Sie wurde am 20.11. 1891 geboren in Bendzin, Bez. Lublin/Piotrkow/Russland.

Mit ihrem Mann Abraham hatte sie drei Kinder: Bertha, Berhard-Salomon und Chaim-Harry.

Sie erlitt das gleiche Schicksal wie ihr Mann.
Die plötzliche Abschiebung in das Lager Neu-Bentschen (Zbaszyn), dann  über Lodz  1940 in das KZ Ausschwitz und wurde am 8.5.1945 für tot erklärt.

Laut Aussage Bernhards starben die Eltern im Warschauer Ghetto/Lodz und seine Schwester in Buchenwald.

Bertha Jelinowitz  die Tochter von Chawa und Abraham, wurde am 29.09.1914 in Mannheim geboren.
Sie hatte das gleiche Schicksal wie ihre Eltern.
Am 8.5.1945 wurde sie für tot erklärt.
Bernhard-Salomon Jelinowitz   wurde am 10. Juli 1917 in Braunschweig geboren.

‘Später  begann er als Kaufmannslehrling  seine berufliche Laufbahn bei Gardinen-Unger, Braunschweig, Casparistr. 5. und lebte in der Stadt bis zu seiner Zwangsausweisung im Jahre 1938.
‘Die Tante mütterlicherseits hat bei der Erziehung der Kinder geholfen. Bernhard hatte immer hohen Respekt, aber niemals Angst vor seinem Vater gehabt. Die Erziehung war sehr liberal. Er ist oft mit seinem Vater in die Synagoge gegangen. Die religiöse Erziehung war mehr als liberal. Er hatte ein sehr gutes Vertrauensverhältnis mit seinen Eltern bis 1933 gehabt.
Warum es sich geändert hat, wissen wir nicht.

Er hatte als Kind viele jüdische, aber auch christliche Freunde. Er war sehr schlau, aber trotz seiner ausgezeichneten Leistungen wurde er immer wieder von einem Lehrer mit dem Rohrstock geschlagen. Schon in der 4. Klasse in der Volkshochschule wurde er von seinen Mitschülern angepöbelt. Er war der Meinung das Braunschweig schon in den zwanziger Jahren eine Hochburg von Nazis gewesen sei und es sich in den dreißiger zum Extrem entwickelt habe.

1927 ist er wegen seiner guten Leistungen auf eine Versuchsschule gekommen, wo progressiv liberale Tendenzen vorherrschten. Von 1929 ging er auf eine Mittelschule auf dem Augustplatz, das ist die heutige Realschule John-F.-Kennedy-Platz. Auch dort waren seine Leistungen weiterhin sehr gut gewesen, jedoch sei er dort mehr und mehr das Ziel von Anfeindungen gegen Juden geworden.

Als Kind war er fröhlich und aufgeschlossen, was sich in den Jahren auf der Mittelschule zum Schlechten veränderte. Er entwickelte immer mehr Angst und war sehr nervös und angespannt. Von den Anfeindungen in der Schule habe er seinen Eltern erzählt und seine Mutter ist öfters zum Rektor der Schule gegangen.

Der Rektor hat in der Turnhalle vor allen Schülern erklärt, dass Bernhard ein guter Schüler sei und seine jüdische Herkunft und jüdisches Aussehen nichts mit der Politik zu tun habe. Doch er wurde trotzdem immer wieder verfolgt und verprügelt. Bereits ab 1931 kamen viele Schüler in braunen Uniformen zur Schule. Seine Freunde hatten sich von ihm abgewand, Hitlerjungen spuckten ihn sogar an.

Im Februar 1933 nach der Machtergreifung, haben sich die Anpöbeleien und Anfeindungen verstärkt. Er wurde ständig verprügelt und musste in der Schule in einer gesonderten Ecke sitzen. Sein Vater hat versucht ihn zu beruhigen, aber auch er ist immer besorgter geworden, da auch das Geschäft des Vaters immer mehr Verluste hatte. Keiner wollte  mehr in einem jüdischen Geschäft einkaufen. Aufgrund ihrer polnischen Staatsangehörigkeit konnten sie Braunschweig  nicht verlassen, denn die polnische Regierung ließ damals Juden nicht nach Polen einreisen.

Bernhard musste aufgrund des steigenden Terrors die Mittelschule verlassen. Somit musste er seinen Traum, Abitur und Medizin zu studieren, fallen lassen. Er hat dann begonnen als Lehrling in dem Teppich- und Gardinengeschäft Unger zu arbeiten.

Weil ihm jede Art von Ausgehen versperrt wurde, hatte er sich der Jugendgruppe des Reichbundes jüdischer Frontsoldaten angeschlossen, die sich einmal in der Woche getroffen haben.

Bei solch einer Zusammenkunft  sind am 5. Juli 1933 abends um 20 Uhr plötzlich SS-Männer hereingestürmt und haben sie verhaftet.
Sie waren 11 Jungs und mussten alle zum Volksfreunde-Haus marschieren. Sie wurden in ein kleines Zimmer gebracht und dort wurde ihnen gesagt, sie würden alle als jüdische Verräter umgebracht werden. Er hat angefangen zu zittern und darauf hatte ein SS-Mann ihn in seine Geschlechtsteile getreten, sodass Bernhard zusammen gebrochen ist. Sie wurden dann einzeln von 3   SS-Männern über einen Tisch gezogen und dort hat ein SS-Mann mit einem Säbel auf jeden eingeschlagen. Er hat sich in eine Ecke verdrückt und versucht mit seinen Armen seinen Kopf zu schützen. Dann kam noch ein anderer Mann und schlug jeden mit einer Eisenstange gegen den Kopf.
Ein älterer Freund, Benno Ehlers, ist daraufhin auf den Mann zugetreten und meinte das Bernhard erst 15 ist und er nicht auf ihn einschlagen sollte. Daraufhin hat der Mann auf Benno Ehlers Kopf mit voller Wucht zu geschlagen. Anschließend wurden alle wieder mit dem Säbel geschlagen. Das ging ungefähr 4-5 Stunden so. Danach wurden sie gezwungen ihr eigenes Blut mit ihren Jackets auf zu wischen und als sie fertig waren wurden sie mit einem Lastwagen in das Gefängnisgebäude der Allgemeinen Ortskrankenkasse gebracht,  AOK Braunschweig.
Das war bereits am 6.Juli in der Frühe gewesen. Dort wurden sie wieder auf ein Tisch gezogen und alle mit einem Gummiknüppeln geschlagen. Anschließend wurden sie alle in den Keller gebracht, wo viele deutsche Sozialdemokraten und Kommunisten als Gefangene untergebracht waren.
Benno Ehlers starb dort an seinen Verletzungen.

Sie wurden verklagt, weil ihnen vorgeworfen wurde, dass sie Hitler und Goering beleidigt hätten und anschließend wurden sie im Landesgefängnis Rennelberg, Braunschweig, untergebracht.
Dort waren sie ca. eine Woche und von der regulären Polizei nicht geschlagen worden.

Danach wurde er entlassen. Jedoch wurde ihnen vor der Entlassung verboten über die Geschehnisse der vergangenen Wochen zu reden. Ihnen wurde auch eingeschärft zu sagen, dass Benno Ehlers die Treppen runter gestürzt sei und deshalb an seinen Verletzungen gestorben ist.

Zuhause hat er aus Angst nie gesagt was ihm passiert ist, nicht seinen Eltern und auch nicht seinen Geschwistern. Nachts konnte er nicht mehr schlafen, weil er Angst hatte, er würde abgeholt werden. Sein Zustand hatte sich so verschlechtert, dass seine Eltern ihn für 2 Wochen zu Bekannten nach Hannover geschickt hatten. Nach dem er zurückgekehrt ist, hatte er wieder angefangen von denselben Gedanken verfolgt zu werden und die Torturen fingen von vorne an.

Am 16.7. 1933 kam er in die Untersuchungshaftanstalt  Rennelberg in Braunschweig., wo er bis zum 19.7.1933 inhaftiert war.

1934 haben drei SS-Männer ihm beim Landestheater aufgelauert und hätten ihn  wahrscheinlich totgeschlagen, wenn nicht ein Deutscher dazwischen gegangen wäre und ihn gerettet hätte.

Mit seinen Eltern wurde er 1938  aus dem Gefängnis Wolfenbüttel (Häftlingsnr. 255)
nach Polen abgeschoben.
Sein Vater hatte zuvor seinen Bruder in New York benachrichtigt und gebeten für seine Söhne ein Affidavit zu schicken. Dieser folgte der Bitte. Das Amerikanische Konsulat kontaktierte die Familie und meldete ihnen, dass sie auf die Warteliste gesetzt worden seien.

1938 bestellte das amerikanische Konsulat die beiden Brüder nach Hamburg.
Chaim erhielt sofort sein Affidavit durch das ‘American Joint Distribution Committee’, doch  Bernhard benötigte eine Verlängerung seines Passes.

Ca. zwei Monate nach Abschiebung nach Polen erhielten beide Brüder das Ausreisvisum und machten sich auf den Weg in die USA, dort kamen sie 1939 an.
Bernhard arbeitete zunächst in der Hutbranche , zog dann nach Pittsburg und arbeitete dort in einer Kofferfabrik. Sein letzter  Wohnort war Los Angeles.
Die Brüder haben 1945 in Los Angeles ein eigenes Innendekorationsgeschäft eröffnet.

Im selben Jahr heiratete Chaim-Harry und die Wege der Brüder trennten sich.
Bernhard machte sein eigenes Geschäft auf und arbeitete als Innendekorateur.
Das Verhältnis der Brüder war immer noch sehr gut und sie besuchten sich häufig.
1950 heiratete Berhard  Edith Kahan, die das Konzentrationslager überlebt hatte,
1951 wurde ihr  Sohn geboren.’                   (Anm. : Text leicht verändert.)

 
Chaim-Harry Jelinowitz     wurde am  14.11.1919 in Braunschweig geboren.

Er kam wie sein Bruder Bernhard  ins Gefängnis in Wolfenbüttel vom 28.10.1938 (Häftlingsnr. 254) und wurde mit der Familie von dort nach Polen in das Lager Neu-Bentschen (Zbaszyn) abgeschoben. .

Noch 1938 bestellte das amerikanische Konsulat die beiden Brüder nach Hamburg.
Chaim erhielt sofort sein Affidavit und Bernhard benötigte einen Verlängerung seines Passes.

Ca. zwei Monate nach Abschiebung nach Polen erhielten beide Brüder das Ausreisvisum und machten sich auf den Weg in die USA, dort kamen sie 1939 an.
!942 wird Chaim  zum Dienst in die US Army einberufen.
1948 heiratet er und lebt in Kalifornien.   Sein Todesdatum ist der 27.11. 1989.

https://www.myheritage.de/research?action=query&formId=1&formMode=0&qname=Name+fnmo.2+fnmsvos.1+fnmsmi.1+ln.Jelinowicz+lnmo.3+lnmsdm.1+lnmsmf3.1+lnmsrs.1

Bestätigt durch https://familysearch.org/ark:/61903/1:1:VP82-KCF

http://www.bundesarchiv.de/gedenkbuch/directory.html.de?result#frmResults

Recherche: Schüler und Schülerinnen der JFK Schule, Braunschweig  – 2016
Begleitet durch die Lehrerin Jennifer Ollesch