Bleieisen

Heinrich Bleieisen und seine Frau Frieda mit Tochter Ruth wohnten in der Wabestraße 13. Auch die Familie von Friedas Schwester, die Grünewalds, wohnten mit in diesem Haus.

Heinrich Bleieisen wurde 1881 in Liegnitz in Schlesien geboren. Sein Beruf war Schlachter. Im Ortsteil Gliesmarode besaß die Familie noch ein weiteres Haus, dort war auch die eigene Schlachterei. Heinrich starb 1963 in Sydney, Australien.

Frieda Bleieisen, geborene Windmüller, starb 2 Jahre nach ihrem Mann in Sydney, 1965.

Ruth Bleieisen wurde 1921 in Hannover geboren. Ihr Mann hieß David. Ob Ruth noch lebt, auch wo sie lebte, konnte nicht herausgefunden werden.

Als die Nationalsozialisten die Rechte der jüdischen Deutschen zunehmend einschränkten, wurde die Situation für die Familie Bleieisen immer bedrohlicher. Sie planten die Flucht ins Ausland. Ihre Fluchtpläne wurden bekannt, man enteignete sie. Am 25.März 1939 mußte zunächst das Haus mit der Schlachterei, auf der Berliner Straße zwangsverkauft werden. Es brachte 75 000 Reichsmark. Im Mai 1939 mußte das Haus in der Wabestraße verkauft werden, es brachte 28500 Reichsmark. Das Geld zog der Staat ein. Die Familie verließ Deutschland, Ende 1939 erreichten sie Shanghai, wo ein Ghetto mit jüdischen Auswanderern existierte. Sechs Jahre lebte die Familie dort, die Lebensbedingungen waren katastrophal, da Shanghai einer der wenigen Orte war, die noch Flüchtlinge aufnahmen. Es lebten 10 Menschen in einem Raum. Nach Kriegsende wanderten sie nach Sydney aus – dort verloren wir ihre Spur.

Im niedersächsischen Staatsarchiv, in den Akten des Finanzamtes, fanden wir Einträge über einen längeren Rechtsstreit, den die Familie Bleieisen von Sydney aus führte. Sie versuchten in einem ‚Wiedergutmachungsverfahren’, ihre Häuser zurück zu bekommen, die enteignet worden waren. Am Ende des langen Rechtsstreites wurden sie ihnen überschrieben.

Recherche: Schüler und Schülerinnen der IGS Querum, 2009