Rittner Bruno

Familie Rittner

Bruno Baruch Rittner ist am 08.06.1890 in Chartanowce/ Galizien geboren. In Kassel macht Bruno eine Ausbildung zum Kaufmann und arbeitet dann als Reisevertreter.
Er dient im ersten Weltkrieg in der österreichischen Armee und wird schwer verwundet.
Bruno zieht am 12.07.1910 von Kassel nach Braunschweig, wo er häufig seinen gemeldeten Wohnort wechselt. Es liegt die Vermutung nahe, dass er auf Grund seines Berufs öfter verreist, dabei immer wieder umzieht und zur Untermiete lebte.

Am 11.07.1922 zieht er dann mit seiner Frau Rosalie in den Marstall 1-2, wo er bis zu seinem Zwangsumzug 1939 in ein Judenhaus wohnen bleibt.
Im Marstall bekommen sie auch die beiden Töchter Marga und Eva.
Von 1929 bis 1937 arbeitet Bruno als selbständiger Reisevertreter bei der Braunschweiger Firma Brettschneider.
Er wird mit seiner Frau Rosalie und vermutlich auch seiner Tochter Marga Rittner am 31.03.1942 nach Warschau deportiert.
Der Zug trifft um 20:05 Uhr in Braunschweig ein und fährt mit 116 Juden
um 20:16 Uhr nach Warschau ins Ghetto.

Als Todestag wird 1952 der 31.12.1945 festgelegt

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Brief an Bruno Rittner       von Franziska Bürgel | Jacob Form

Lieber Bruno,

Wir haben uns in den letzten Wochen sehr intensiv mit Ihrem Leben beschäftigt. Uns ist die große Ehre zu Teil geworden, zu Ihnen und Ihrer Familien zu recherchieren und Inforationen zu sammeln. Wir wollen wissen, wie es Ihnen in unserem Braunschweig erging im III. Reich. In der Zeit von Intoleranz und Gewalt gegen Minderheiten.

Sie sind jüdischen Glaubens, wie alle aus Ihrer Familie. Sie wohnten im Marstall 1-2. Das Haus steht nicht mehr. Es ist bei den Luftangriffen am 15. Oktober 1944 verbrannt – wie die halbe Stadt.

Aber zu dieser Zeit haben Sie wahrscheinlich schon gar nicht mehr gelebt. Ja, ist das nicht schrecklich. Niemand weiß, wann und wie Sie zu Tode gekommen sind.

Das wissen nur Sie!

Was wissen wir schon über ihr Leiden, Ihre Hoffnungslosigkeit, Ihrer Verzweiflung?

Darüber konnten wir aus den Akten nichts erfahren. 1939 mussten sie in ein Judenhaus umziehen. Alle Wertgegenstände Gold, Silber, Schmuck – hat man Ihnen genommen. Danach waren Sie mittellos.  Gemeinsam mit ihre Frau Rosalie. Konnten sie sich gegenseitig Trost spenden?  Hat die Hoffnung auf die Rettung Ihrer Töchter Ihnen Trost gegeben?

Durften sie Eva zum Zug begleiten, in den sie steig, um ins Unbekannte aber sichere England zu fahren? Ein Zug voller Kinder. Wussten Sie, ahnten Sie, dass Sie ihre 17-jährige Tochter nie wiedersehen würden? War die kleine Marga dabei, für die Sie einen andern Rettungsplan hatten.

Immerhin: Sie hatten noch einmal Kontakt mit Eva. Später, als sie schon im Getto in Warschau waren. 1942 erreichte Eva Ihr letzter Brief.

Wir haben uns gefragt, was Sie dazu bewegt hat, Marga auf diese Gartenbauschule in Ahlen zu schicken? Und warum nicht Eva, die ältere? Das war bestimmt eine schwere Entscheidung.

Ins Warschauer Getto wurden Sie gleich mit dem zweiten Transport aus Braunschwieg in den Osten am 31. März 1942 deportiert. Gemeinsam mit ihrer Frau. War Ihnen das ein Trost?  War die kleine Marga auch dabei?
Wussten Sie, ahnten Sie, was kommen würde?

Für uns verlieren sich Ihre Spuren an dieser Stelle. Auch ihre Tochter Eva, die sich 1958 noch einmal auf die Suche gemacht hat, fand nicht mehr heraus.

So wurde 1958 für Sie -lieber Bruno – als Todestag der 31.12.1945 vom Amtsgericht Braunschweig festgelegt.

Dieses Amt liegt nicht weit entfernt vom Einwohnermeldeamt.
Das Einwohnermeldeamt hat als letzte Information zu Ihrem Leben notiert:
März 1942:  Abmeldung nach unbekannt.

Lieber Bruno,  wir wünschen uns, dass Sie und ihr Schicksal durch den Stein nicht so schnell in Vergessenheit geraten!

Mit freundlichen Grüßen  und Schalom
ihre Franziska Bürgel und Jacob Form

Recherche, 2019 Schülerinnen und Schüler der IGSFF Braunschweig
begleitender Lehrer Jens Siebert